Fahrradfahren in Lüneburg: Claudia Schmidt benennt Entwicklungsmöglichkeiten

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) in Lüneburg interessiert sich für die Positionen der OB-Kandidatinnen in Bezug auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Radverkehrs in Lüneburg.

Die Antworten von Claudia Schmidt können Sie hier nachlesen:

Lüneburg präsentiert sich gern als fahrradfreundliche Stadt. Welches sind für Sie die wichtigsten Kennzeichen einer fahrradfreundlichen Kommune?

Auf unseren Fahrradtouren durch Deutschland mochte ich besonders die Städte, die es mir ermöglicht haben, mich mit Hilfe der Beschilderung schnell zurechtzufinden. Toll ist es, das Fahrrad samt Gepäck sicher deponieren zu können, was in Lüneburg derzeit noch nicht möglich ist. In der Touristen-Information, sollten fahrradfreundliche Herbergen empfohlen werden können (so hat bspw. das Bergström nicht mal einen Radparkplatz) und Radroutenkarten verkauft werden (in der Lüneburger Tourist-Information derzeit nicht mehr erhältlich). Fahrradfreundlich ist auf den Radwegen bzw. Straßen bevorzugt behandelt zu werden und als i-Tüpfelchen eine reine Fahrradstraße durch das Stadtzentrum vorzufinden. Diese Straße könnte in Lüneburg die Neue Sülze sein.

 

Der Landkreis Lüneburg arbeitet bereits in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen (AGFK) mit. Streben Sie die Mitgliedschaft der Hansestadt in dieser Arbeitsgemeinschaft an?

Ja, gerade in der Stadt gibt es ein großes Potential an zusätzlichen Fahrradfahrern. In der Öffentlichkeitsarbeit und dem Marketing für den Radverkehr gibt es in Lüneburg erheblichen Nachholbedarf. Diese Aufgabe allein den Verbänden zu überlassen, reicht nicht. Gerade bei dieser Aufgabe kann die AGFK sicherlich unterstützen. Als Beispiel nenne ich das „Stadtradeln“.

 

2005 wurde das „Radverkehrskonzepts Lüneburg 2015“ erstellt. Das Zieldatum rückt langsam näher und damit stellen sich die folgenden Fragen:

• In Kapitel 5.6 des bestehenden Konzepts ist eine Evaluierung vorgesehen. Um beurteilen zu können, ob die Maßnahmen wirksam waren und das Konzept umgesetzt wurde, halten wir eine Überprüfung der Wirksamkeit für wichtig. Planen Sie, die angekündigte Evaluierung durchzuführen, wann soll das erfolgen, mit welchen Methoden / von wem soll sie durchgeführt werden?

Eine Evaluierung ist absolut notwendig und schnellstmöglich durchzuführen. Seit Einführung der Bachelor Abschlüsse ist es von seitens der Uni kaum mehr möglich Zahlen zum Modal-Split zu erheben. Die letzten Werte wurden vor ca. 10 Jahren ermittelt. Von wem letztendlich die Evaluierung durchgeführt wird, ist im Detail zu untersuchen.

Da ich auch den Verkehrsentwicklungsplan fortschreiben möchte, muss geprüft werden, ob es sinnvoll ist diese Konzepte/Pläne zusammenzuführen.

 

• Planen Sie, ein Folgekonzept zu erarbeitet?

Ja, das Fahrrad dient der Umwelt, der Gesundheit und dem Portemonnaie jedes Einzelnen als auch der Kommune. Vorfahrt für das Fahrrad sowohl im Alltag als auch im Tourismus! Diese Investitionen sind zukunftsweisend.

 

•  Wie stellen Sie sich die Beteiligung der Verbände und der Öffentlichkeit bei der Erarbeitung vor?

Die Beteiligung von Verbänden, Polizei, Uni (Leihräder), Marketing (Tourismus), Lüneburger Citymanagement (Parkplätze) oder Arbeitgebern (Dienstrad) ist von Anfang an erforderlich. Außerdem müssen alle ausreichend Zeit, für die Erarbeitung eigener Vorschläge und Ideen erhalten.

 

• Halten Sie eine externe professionelle Begleitung bei der Erstellung für erforderlich?

Tendenziell ja, denn es geht meiner Meinung nach um mehr als infrastrukturelle Maßnahmen.

 

• Welche Themen sollten Ihrer Meinung nach in dem Konzept adressiert werden?

Fortführung des Radroutennetzes auch unter dem Aspekt Schutzstreifen/Radfahrstreifen; Benennung von Unfallschwerpunkten; Überprüfung der Benutzungspflicht von Radwegen; Parkplätze in der Innenstadt; Überprüfung der Lichtsignalanlagen (Grüne Welle); Öffentlichkeitsarbeit; Leihräder; Pedelecs/Elektrobikes einbeziehen, indem bspw. Radschnellwege aus den Randgemeinden benannt werden; Prioritätenliste für die Räumung von Radwegen im Winter; Tourismus; ….

 

• Wie könnte eine Einbindung in ein weitergehendes Konzept der Verkehrsentwicklung aussehen?

Das Rad ist Teil des Mobilitätsverbundes und somit ist die Frage zu prüfen, inwieweit das bestehende Radverkehrskonzept in einen neuen Verkehrsentwicklungsplan integriert werden könnte. Wichtig erscheint mir jedoch, dass der Radverkehr in seiner Bedeutung für die Mobilität der Stadt, entsprechende Berücksichtigung findet.

 

• Wie stellen Sie sich die Weiterentwicklung der Haupt-und Nebenrouten des Radverkehres vor?

Zur Zeit sieht es so aus, dass alle baulichen und planerischen Maßnahmen nicht mit konkreten Nutzungszahlen unterlegt sind. Hier sehe ich Nachholbedarf. Lediglich beim Unfallgeschehen kann auf Zahlenmaterial zurückgegriffen werden.

Der Radverkehr muss endlich unabhängig vom Autoverkehr betrachtet werden und es geht nicht nur darum dass der Autoverkehr „fließt“. Wie sollen denn die ganzen Radfahrer vom Bahnhof kommend auf die Bleckeder Landstraße Richtung Innenstadt abbiegen, wenn es auch noch eine separate Linkabbiegerspur für Autos gibt?

 

• Wie wird sichergestellt, dass die Radrouten in den Nachbarkommunen oder im Landkreis weitergeführt werden?

Hier ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Kreis notwendig. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass auch die Schnee- und Eisräumung der Radwege an den Bundesstraßen z. B. von Melbeck nach Lüneburg, sichergestellt wird.

 

• Wie sollen die Prioritäten der Umsetzung in Zukunft festgelegt werden?

Die Prioritäten bei infrastrukturellen Maßnahmen sollten sich u. a. aus den Nutzerzahlen ergeben. Fördergelder können nicht allein maßgeblich sein. Ein bestimmter Anteil des Budgets ist für Öffentlichkeitsarbeit vorzusehen. Alle Maßnahmen zum Vorteil der Radfahrer sind unverzüglich durchzuführen. Stichwort Radwegebenutzungspflicht, Öffnung von Einbahnstraßen, Abbau von Umlaufsperren oder Pfosten auf dem Radweg zur Sicherung von Verkehrsschildern wie in der Soltauer Straße vor dem Kreisel.

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